zurück

Horst Kolesch – Was spricht für Steillagen?

Horst Kolesch – Was spricht für Steillagen?
Copyright Juliusspital

Interview mit Horst Kolesch, Leiter des Geschäftsbereichs Landwirtschaft, Weinbau und Forsten im Juliusspital, Würzburg.

„Der Rückgang des Weinbaus in vielen Steil- und Terrassenlagen zeigt, dass Weine aus diesen Herkünften aus Kostengründen nur mit allerbesten Qualitäten und durch ihre Individualität gute Chancen auf dem Markt haben.“

Herr Kolesch, Weinbau auf ebenen Flächen findet man ja fast überall. Und die Arbeit ist weit weniger aufwändig und zeitraubend, als in steilen Hängen. Was also spricht überhaupt für Weinbau in Steillagen?

Der Weinbau in Steil- und Steilstlagen steht für Qualität, biologische Vielfalt und nachhaltige Landbewirtschaftung durch Familienbetriebe, häufig in kleinen und sehr kleinen Produktionsstrukturen.

Der Steillagenweinbau steht daher wie keine andere Weinbaumaßnahme für die Individualität der Herkünfte in einer weltweit mittlerweile uniformierten Weinwelt. Der Steillagenweinbau prägt die Kultur- und Erholungslandschaften in den Weinbau treibenden Ländern, ist ein Gesamtkunstwerk land- und weinbaulichen Schaffens und ein europäisches Kulturgut.

Was zeichnet denn Weine aus Steillagen aus?

Steillagen haben ein begrenztes Mengen- und ein unermessliches Qualitätspotenzial. Nur Steillagen mit ihrer geringen Bodenmächtigkeit erlauben einen tiefen Zugriff der Wurzeln auf den Mineralienfundus des Gesteins und betonen die Individualität eines Weines.

Auch bei der Qualitätsbeständigkeit über verschiedene Jahrgänge, egal ob es sich um kühle, feuchte, warme oder trockene Jahre handelt, haben Weine aus Steillagen durch ihre Hangausrichtung einen deutlichen Vorzug. Und zwar, da diese Lagen auch frostsicherer sind oder in feuchten Jahren ein besseres Kleinklima-Regulativ aufweisen, denn feuchte Luft kann sich nicht halten und wird weggeblasen.

Daher und zusätzlich durch die Erlebniswerte einer individuellen Steillagenlandschaft, werden die Steillagen in schmeckbarer Qualität aber auch bei der Vermittlung von Herkunft oder über die aufwändige Art, wie Steillagenweine erarbeitet werden müssen, bei Verbrauchern immer einen höheren Stellenwert einnehmen als Weine aus Hanglagen.

Viele Konsumenten greifen ja im Handel zu Weinen unter 3 Euro. Große Steillagenweine im Supermarkt zu ganz kleinen Preisen, geht das?

Die Bewirtschaftung von Hang- und Steillagen sowie der terrassierten Weinberge ist sehr arbeitsaufwändig und kostenintensiv. Der Rückgang des Weinbaus in vielen Steil- und Terrassenlagen zeigt, dass Weine aus diesen Herkünften aus Kostengründen nur mit allerbesten Qualitäten und durch ihre Individualität gute Chancen auf dem Markt haben. Daher ein ganz klares nein zu ganz kleinen Preisen.

Nach oben