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Warum ich Juror bei selection bin

Warum ich Juror bei selection bin
Copyright Michael Koch

Der fränkische Jungwinzer Lukas Behringer und seine Lust auf Wein

Der Spaß am Wein, die Leidenschaft für Details und das Interesse an Neuem, das ist wohl das Wichtigste, wenn man Weine beurteilen will. Für mich ist der persönliche Bezug zum Weinanbau und -ausbau von großem Vorteil. Wer in einem Weingut heranwächst erlebt, wie die Traube, das Wetter und der Wein das Leben bestimmen. Schon in jungen Jahren durfte ich die Kunst des Verschneidens erleben und „erschmecken“ – was mich heute noch genauso fasziniert.

Neben der Schule ergriff ich jede Chance mehr über das Thema Wein zu erfahren. Zuhause wurden mir alle Möglichkeiten geboten und meine Eltern ließen mir schon früh die Freiheit selbst zu experimentieren. Glücklicherweise verfügen wir über ein sehr großes Sortenspektrum sowie unterschiedliche Böden. Gekrönt wurde mein Tun durch eine wundervolle und lehrreiche Zeit bei Blackenbrook Vineyards in Nelson/Neuseeland und das Studium in Geisenheim.

Mit 17 Jahren nahm ich das erste Mal an einer großen Degustation der DLG, Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, als Gastjuror teil. Dort lernte ich neben verschiedenen Ausbaustilen unterschiedliche Stilistiken des Müller-Thurgaus kennen. Mich beeindruckte die Vielschichtigkeit und Interpretation der unterschiedlichen Geschmacksrichtungen. Und genau das ist es, was bei „selection“ so eindrucksvoll verstanden und honoriert wird.

Das Spektrum der Juroren deckt alle Ziel- und Konsumentengruppen ab. Man diskutiert, prüft und beurteilt gemeinsam mit Weinkennern, Händlern und Produzenten. Die hieraus entstehende Beurteilung sorgt für eine vielschichtig betrachtete und absolut gerechte Bewertung der Weine. Genau wie es hier keine festgefahrenen Schemata gibt, in die der Wein gepresst werden muss, so wird das Produkt als etwas Eigenständiges gewürdigt.

Als international aufgestellter Wettbewerb gibt es nicht nur nationale Weine zu erleben, verstehen und beurteilen, sondern gerade die internationalen Weine halte ich persönlich für sehr spannend. Besonders Spaß und eine ausgesprochene Herausforderung hatte ich etwa mit den griechischen Retsina-Weinen.

Wie auch bei anderen Wettbewerben, so ist auch hier das Prüfen in Gruppen etwas Wesentliches. Nachdem jeder Juror eigenständig seine Flights bewertet, werden die Ergebnisse anschließend in der Tischrunde diskutiert. Diese Diskussionen, unter der Verantwortung eines Tischleiters, sind deshalb so interessant, da nun die verschiedenen Prüfer-Charaktere aufeinandertreffen. Die Meinungen sehr erfahrener Juroren, die sich seit über 40 Jahren mit Wein auseinandersetzen, stehen denen der jungen Fachhochschulabgänger, etwa aus Geisenheim, gleichwertig gegenüber.

Genauso ist die Aussprache beispielsweise zwischen Weinhändlern und Produzenten etwas Bereicherndes. Bei diesen offenen Gesprächen tun sich immer wieder neue Türen für mich auf, denn hier wird sich intensiv mit dem jeweiligen Wein beschäftigt. Ein Tabu ist: „der Wein ist gut, weil ich das sage“, denn jede Aussage muss begründet werden. Nicht selten entstehen leidenschaftliche Diskussionen. Dass es sich um eine Blindverkostung handelt, muss wohl nicht näher ausgeführt werden.

Natürlich trifft man nach einer Weile des Dazugehörens auf bekannte Gesichter. So lernt man sich schätzen und nicht selten entwickeln sich auch Freundschaften. Abschließend kann ich ganz klar sagen: Ich bin gerne bei „selection“ als Juror tätig, weil ich Wein einfach liebe!

Lukas Behringer

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