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Weingüter des Jahres – Teil 1

Weingüter des Jahres – Teil 1
Copyright Weingut Juliusspital

Das war wieder spannend. So viele Betriebe hatten sich zuvor noch nie bei diesem Wettbewerb beteiligt. Auch die Qualität der verkosteten Weine beeindruckte die Jury nachhaltig.

Unter den Top 10 befinden sich in diesem Jahr ein Weingut aus Südtirol, zwei Betriebe aus Österreich und sieben deutsche Weingüter, darunter je zwei Betriebe aus Franken, der Pfalz und Rheinhessen. Und das „Riesling-Weingut des Jahres 2018“ kommt dieses Mal von der Nahe. Im ersten Teil stellen wir zwei siegreiche Betriebe vor.

Interview mit Horst Kolesch, Weingutsleiter vom Weingut Juliusspital, „Deutsches Weingut des Jahres 2018“

Herr Kolesch, im Frühjahr wurden Sie zum „Silvaner-Weingut des Jahres“ gewählt, nun ist das Juliusspital „Deutsches Weingut des Jahres“, was sind sozusagen die Geheimnisse Ihres Erfolgs?

Horst Kolesch: Unsere Rahmenbedingen bieten die perfekte Grundlage. Qualität entsteht im Weinberg und das Juliusspital ist nun einmal in der glücklichen Situation die Ikonen fränkischer Weinberge, wie den Würzburger Stein, den Iphöfer Julius-Echter-Berg oder auch den Randersackerer Pfülben pflegen zu dürfen.

Neben der modernen Kellerei schlägt das Herz unserer Weinproduktion noch immer in den großen Fässern des historischen Holzfasskellers. Eine wahre Spielwiese, die wohl jedes önologische Herz höherschlagen lässt.

Wir, das Team J., werden beharrlich aber auch besonnen die feinen Stellschrauben der Weinqualität weiter justieren. Beispielsweise im Weinberg: Preperatori d’uva – der sanfte Rebschnitt. Beispielsweise im Keller: Spotangärung erst bei den Großen Gewächsen und nun sogar bei allen Weinen der VDP.

Erste Lage. Beispielsweise im Verkauf: In punkto Weinqualität hat hier der spätere Vermarktungszeitpunkt einen positiven Effekt, aber auch unser Markenauftritt trägt ein kleines Mosaikstück bei.

Wie groß ist derzeit Ihre Rebfläche und wie viele unterschiedliche Weine produzieren Sie im Jahr?

Horst Kolesch: Ja, das Juliusspital ist groß, mit rund 180 Hektar Betriebsfläche sogar das zweitgrößte Weingut in Deutschland und dennoch stehen wir als VDP-Weingut für Top-Qualität. Umso wichtiger ist es, Hand in Hand zu arbeiten, denn nur als Team können wir unsere Ziele erreichen.

Denn unter dem Strich sind es unsere 71 Köpfe und 142 Hände, zusammen mit zahlreichen Saisonhelfern, die das Weingut mit Leben füllen. Unser Sortiment umfasst 45 Weine plus Sekte und Secco.

Einer Ihrer Weine, der „Fränkische Satz“ war ja quasi mitverantwortlich für den Gesamterfolg. Könnten Sie mit einem „fränkischen Satz“ sagen, was sich dahinter verbirgt?

Horst Kolesch: Fränkischer Satz: „Von allem a weng, aber alles zamm bloß vom feinsten.“ Das bedeutet eine Vielzahl von alten, zum Teil längst vergessenen Rebsorten wie Heunisch, Elbling, Nobling, Geißdutte, aber auch immer noch bewährten Sorten wie Traminer und Muskateller sind eingebettet in einen 35 Jahre alten Silvanerbestand.

Der Fränkische Satz wurde im 17. Jahrhundert gepflanzt, als Franken gemeinsam mit dem Burgund eines der größten zusammenhängenden Weinanbaugebiete in Europa war. Man pflanzte mehrere verschiedene Rebsorten neben- und durcheinander im Weinberg, um so die unterschiedlichen Ansprüche, Anfälligkeiten, aber auch die unterschiedliche Qualität der einzelnen Rebsorten auszugleichen. Gleichzeitig umging man auf diesem Wege das höhere Risiko des Totalausfalls.

Wie werden Sie mit der neuen Auszeichnung umgehen?

Horst Kolesch: Die Benchmark ist gesetzt und treibt uns weiter an. Wir genießen den Erfolg. Er macht uns stolz, aber nicht überheblich. Nach der Auszeichnung ist vor der Auszeichnung und Qualität ist nicht statisch, sondern bedarf immer der Fortentwicklung.

Interview mit Roman Josef Pfaffl vom Weingut R&A Pfaffl, „Österreichisches Weingut des Jahres 2018“

Herr Pfaffl, im Vorjahr wurden Sie bereits als „Österreichisches Weingut des Jahres“ gewählt und wurden zweitbester Betrieb International, nun haben Sie beide Plätze gegen starke Konkurrenz verteidigt. Was sind die Geheimnisse Ihres Erfolgs?

Roman Josef Pfaffl: Wie ein Vollidiot arbeiten (lacht). Na ja, keine Ahnung. Versuchen, jedes Jahr besser zu werden. Man ist ja eigentlich nie zufrieden im Keller.

Wie groß ist derzeit Ihre Rebfläche und wie viele unterschiedliche Weine produzieren Sie im Jahr?

Roman Josef Pfaffl: Wir bewirtschaften derzeit 110 Hektar Rebfläche und machen in etwa 30 verschiedene Weine.

Was zeichnet denn die Jahrgänge 2014 und 2015 in Ihrem Betrieb aus? 

Roman Josef Pfaffl: 2014: der herausforderndste Jahrgang, den ich bis jetzt verarbeiten durfte. Wir haben beim Reifebeginn Unmengen Regen bekommen, nahezu alle Rebsorten waren massiv von Fäulnis betroffen, soviel zupfen und sortieren mussten wir noch nie. Bei gewissen Rotweinsorten, wie St. Laurent, hatten wir bis zu 100 Prozent Ausfälle durch die Fäulnis.

Beim Weißwein hatte ich mir gedacht, was soll da daraus werden und die Weine wurden dann aber überraschend gut. Die Weine sind nicht so dicht und fett wie 2012 und 2013, dafür etwas duftiger und filigraner. Die Weißweine sind eigentlich ähnlich wie 2010. Spannenderweise ist das einer unser höchstbewerteten Jahrgänge.

2015 sind wir schon mal optimistisch in den Jahrgang gegangen, weil wir gesagt haben, schlimmer kann’s nicht mehr werden. 2015 war wieder ein sehr reifer Jahrgang, säurearm, cremig, voll, eine Schönwetterperiode im Herbst. Eine Wohltat nach 2014. Hier auch wieder ein sehr guter Rotweinjahrgang, sehr kräftige und langlebige Rotweine.

Mit welchem Wein werden Sie auf diese Auszeichnung anstoßen?

Roman Josef Pfaffl: Definitiv mit unserem GV Hommage. Und dann werden wohl noch ein paar weitere Weine folgen. Bei einer Flasche bleibt es eigentlich nie.

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